Was ist WingTsun?

WingTsun ist eine Kampfkunst aus China. Entwickelt wurde diese Kampfkunst der Legende nach von der Nonne Ng Mui, Anfang des 17. Jahrhundert in der Provinz Szechwan. Es soll eine Beobachtung gewesen sein, welcher Ng Mui machte. Sie beobachtete einen Kampf zwischen einem Fuchs und einem Kranich. Manche erzählen auch, es war eine Schlange und ein Kranich, andere ein Affe und ein Kranich. Auch ist nicht klar, ob es sich tatsächlich um Tiere handelte, oder um Vertreter einzelner Tierkampfstile, denn sie selbst hat den „Weißen Kranich“ Stil erlernt. Wie auch immer, diese Beobachtung brachte Ihr die benötigte Inspiration um einen neuen Kampfstil zu entwickeln.

Wobei Ng Mui ihrem neuen Stil keinen Namen gab, sondern sich nur damit beschäftige das Konzept zu entwickeln und erarbeitete Bewegungen welche für Menschen einsetzbar waren.

Sie tat das, weil sie der Meinung war, das die starren Shaolin Techniken mit ihren schwerfälligen Bewegungen unpraktisch waren. Besonders für körperlich schwächere oder unterlegenere Menschen, in diesem Fall einer Frau. Ihr neues Konzept war beweglich und anpassungsfähig. Nicht Kraft, sondern Intelligenz sollte der Schlüssel ihrer neuen Kampfkunst sein. Es ging ihr nur um Praxis und Bezug zum Kampf.

Den Namen selbst bekam dieser Stil durch der ersten Schülerin von Ng Mui. Diese Schülerin hieß Yim Wing Tsun.

Wer ist Leung Ting?

Leung Ting (links, neben Yip Man) ist einer der letzten Schüler des verstorbenen Großmeister Yip Man. Sein erster Lehrer war ursprünglich Leung Sheung. Dort hat er 1960 im Alter von 13 Jahren begonnen, WingTsun zu lernen. Ab ca. 1968 hat er bei Yip Man privat Unterricht erhalten, der ihn mit der traditionellen Tee-Zeremonie als direkten Schüler aufgenommen hat. Er eröffnete seine erste Schule 1970 in Hongkong, aus der später sein eigener Verband, die International WingTsun Organisation Association (IWTA) hervorging. Wer das Original WingTsun erlernen möchte kann dies aktuell in Europa bei der EWTO (Europäische WingTsun-Organisation) tun. Warum? Weil der Name WingTsun für das überlieferte Yip Man WingTsun steht, was von Großmeister Leung Ting übernommen und weiter entwickelt wurde. Da der Name WingTsun Urheberrechtlich nicht geschützt ist, wird dieser Name zum Leitwesen von Großmeister Leung Ting oft missbraucht.

Wie kam WingTsun nach Deutschland?

Seit 1976 ist Großmeister Keith R. Kernspecht Cheftrainer der eigenständigen EWTO, die das Leung-Ting-System als alleiniger Lizenznehmer und offizieller Vertreter des WingTsun in den meisten Ländern Europas (mit Ausnahme einiger osteuropäischer Länder) vertritt.

Prof. Dr. sc. Keith R. Kernspecht gründete die Europäische WingTsun-Organisation als institutionelles Dach zur Verbreitung und Pflege von WingTsun in Europa, einem bis dahin vollkommen unbekannten chinesischen Kampfkunstsystem. K.R. Kernspecht hatte 1975 GM Leung Ting, den weltweit höchstgraduierten WingTsun-Meister, kennengelernt, der 1976 auf seine Einladung die erste öffentliche WingTsun-Vorführung in Deutschland und mehreren europäischen Ländern (Deutschland, Dänemark, England, Italien, Spanien usw.) gab. Nach einer intensiven Ausbildungszeit in Europa und China wurde Großmeister Kernspecht, der bereits Lehrer vieler asiatischer Kampfstile war und schon über fünf Jahre bei chinesischen Meistern das Wing Chun von Dr. Leung Jan gelernt hatte, im Jahre 2000 durch Leung Ting der 10. WT-Meistergrad zuerkannt. Großmeister Kernspecht wurde damit mit Leung Ting weltweit der höchstgraduierte WingTsun-Meister.

Neben dem WingTsun Unterricht auf höchstem Niveau bietet die EWTO Zugang zu einer engagierten Gemeinschaft und spannenden Möglichkeiten.

Was ist der Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst?

Im Kampfsport konzentriert man sich auf den sportlichen Wettbewerb, das Einhalten von Regeln und das Gewinnen gegen einen Gegner unter Aufsicht, z.B. eines Ringrichters. Fitness, Körpergröße und Körperkraft sind entscheidende Merkmale der Auseinandersetzung.

Kampfkunst versteht sich als Kampfsystem welches zum eigenen Schutz und in einem regellosen Kampf zum Einsatz kommt. Deine körperlichen Merkmale, wie Gewicht, Kraft oder Ausdauer spielen keine Rolle da jeder Angreifer hierbei auch keine Rücksicht nimmt. Jeder steht für sich allein und der Sieg bringt keine Punkte oder Anerkennung. Selbst in der Niederlage kann man einen Sieg erringen, wenn man Gesund und/oder wenig Schaden aus der Situation entkommen kann.

Was ist die Siu Nim Tau?

Wörtlich übersetzt „Kleine Idee“ idt die erste waffenlose Form des WingTsun. Früher nannten einige wenige WingChun Leute in Foshan die Form „Sam Bai Fat“, „Dreimaliges Verehren von Buddha“. Dreimaliges Wiederholen kommt öfters in den Formen des WingTsun vor. Traditionell wird jedem Schüler des WingTsun zu Anfang klar gemacht: „Wenn Du nicht die „Kleine Idee“ korrekt beherrscht, wird du nie etwas korrekt meistern, egal ob beim WingTsun oder im täglichen Leben“. Sie ist das Fundament des WingTsun.

Die Siu Nim Tau lehrt der Schüler eine neue Art zu denken. Wer zu viel vorausdenkt, übt nicht das „bewegen“ im Jetzt.

Die Siu Nim Tau ist das Fundament vorauf wir unsere Kampfkunst aufbauen. Wer also auf Sand baut, kann nicht erwarten, das seine Kampfkunst „stabil“ sein wird.

„Verändern mit der Veränderung des Gegners“

Daher ist die „Kleine Idee“ seine Einstellung frei von vorgefassten Meinungen zu machen. Man erlernt ein neues Konzept, aufbauend auf „der kleinen Idee“, der Siu Nim Tau.

Was ist die Chum Kiu?

Die Cham Kiu ist die zweite Form im WingTsun und wird unmittelbar nach der Siu Nim Tau erlernt. Cham Kiu bedeutet übersetzt „Brücken Arme“. Die tiefere Bedeutung der Cham Kiu ist, das der Praktizierende nach einer Brücke, oder Verbindung zwischen sich und seinen Gegnern suchen soll. Cham-Kiu besteht hauptsächlich aus Abwehrtechniken, vorrangig der Bong Sao, der „Schwingen Arm“.

Die Funktionen der Brücken-Arme dient es eine „Brücke zum Gegner“ zu finden um ihn zu stoppen. Wir üben in der Cham-Kiu das Vorwärts gehen, das Wenden, den Stand, Koordination, Timing und Präzision. Wir koordinieren beide Arme um den oberen und mittleren Bereich unseres Körpers zu schützen.

In der Cham-Kiu finden sich auch zum ersten Mal Tritte im WingTsun. Diese unterscheiden sich von anderen Stilen darin, das diese ansatzlos genutzt werden, um nicht über verräterische Schulterbewegungen oder Änderungen in der Haltung den Gegner vorher zu warnen.

Was ist so besonders am WingTsun?

Als Schüler wird man auf die Reise geschickt WingTsun selbst zu erfahren. Als Sifu im WingTsun zeige ich Dir den Weg, und Du entscheidet für Dich selbst, wie weit Du gehen möchtest.

Immer wenn man die Erfahrung macht, besser geworden zu sein, öffnet sich eine neue Tür die einem zeigt, das der Weg noch nicht zu Ende sein muss. Man erfährt jedes mal eine Veränderung in sich selbst, geistig und körperlich.

„WingTsun ist kein System zum Auswendiglernen von Techniken. Sondern ein Prinzipiensystem, das den ganzen Körper befähigt in jeder Situation die passende Lösung zu finden.“

Großmeister Giuseppe Schembri

Im Laufe der Ausbildung wechselt man unbewusst von der einzelnen Bewegung zum „bewegen“ des ganzen Systems.

Keine Techniken mehr, sondern nur das ausführen des Konzeptes Namens WingTsun.

„Prinzipien statt Techniken. Das Verstehen von Gesetzmäßigkeiten von Bewegung, Balance, Druck und Timing. Techniken sind nur Beispiele, nicht starre Lösungen.“

Großmeister Giuseppe Schembri

Warum sollte ich WingTsun bei der EWTO Reutlingen lernen?

(Links, Sifu Francesco Gorda, mit seinem Schüler Marlon)

Der Qualitätsanspruch der EWTO war von vornherein sehr groß, denn die WingTsun-Schulungsangebote sollten sich europaweit durch ein gleich hohes Niveau auszeichnen. Durch die Entwicklung und konsequente Durchführung eines einheitlichen Graduierungs- und Prüfungssystems ist dieser Anspruch gegeben. Alljährlich finden mehrere hundert EWTO-Lehrgänge zur Qualitätssicherung und Anpassung des WingTsun an aktuelle Erfordernisse statt. Die EWTO hat „WT“ europaweit markenrechtlich schützen lassen und überwacht die juristische Einhaltung dieses Schutzes.

In Europa gibt es inzwischen über 1.000 EWTO WingTsun Schulen und über 40.000 WingTsun-Schülerinnen und -Schüler. Ein Brainpool an Kampfkunstwissen. Und alle Mitglieder profitieren davon.

Wie kann ich mehr erfahren, ob WingTsun das Richtige für mich ist?

Das ist einfach. Du sendest uns einfach Deine Kontaktdaten und reservierst Dir einen Platz für ein Probetraining. Wir melden uns bei Dir. Unverbindlich.